Wieder einmal ging ein ereignisreiches Jahr zu Ende, in dem wir unserem selbst gesteckten Ziel gefolgt sind, unsere Sammlung mit Fokus auf regionale Maler zu vergrößern, die Werke zu erforschen und unsere Forschungsergebnisse in unserem Online-Katalog zugänglich zu machen.
Die Neuerwerbungen des Jahres 2025 begannen gleich in den ersten Tagen des noch jungen Jahres mit dem Kauf eines Konvoluts von Gemälden und Zeichnungen aus dem Nachlass von Bernarda Rudorf geb. von Aichinger (1942-2024). Die in Hoffenheim lebende Malerin hat insbesondere immer wieder den Amalienhof in Sulzfeld im Bild festgehalten, wo sie einst aufwuchs. Wir erwarben zwei Amalienhof-Motive sowie ein Bildnispaar.
Ausserdem fanden sich im Nachlass der Malerin auch Werke ihres Großvaters August Göler von Ravensburg (1870-1952), der Grundherr in Sulzfeld war und den Amalienhof besaß. Die ihm zugeschriebenen Bilder sind drei Landschaftsskizzen sowie ein Ölbild mit einer winterlichen Ansicht von Sulzfeld.

Ein uns zu Beginn des Jahres im Kunsthandel aufgefallenes hübsches Bild mit einem Gehöft hinter einem verschatteten Hofportal galt noch als unsigniert, als wir es gekauft haben. Das Bild hat sich jedoch bei Licht betrachtet als durchaus signiertes Werk der Stuttgarter Malerin Johanna Dann (1878-1974) entpuppt, die zu den bedeutenden Schwäbischen Impressionistinnen zählt. Zusätzlich hat die Malerin des qualitätvollen Bildes für uns auch regionale Bedeutung, da sie als Tochter eines Pfarrers im von uns kaum 5 km entfernten Fürfeld geboren wurde.

Zu den weiteren zu Beginn des Jahres getätigten Erwerbungen zählen wieder einmal Bilder von weiteren regionalen Malern, von denen wir bislang noch keine Werke besaßen. Den Reigen dieser Werke eröffnete im Januar eine hügelige Landschaft des Heilbronner Malers Otto Kainz (1901-1963). Dieser war ursprünglich Professor in Magdeburg, scheint aber zur NS-Zeit unter Repressalien gelitten zu haben, so dass er 1942 als Kunstlehrer nach Heilbronn kam, wo er nach dem Krieg freischaffend tätig war. Wir behalten den Künstler im Auge und werden noch weiter zu seiner Biografie forschen.

Ein lokal etwas in Vergessenheit geratener Heilbronner Maler ist Otto Rauth (1862-1922), der sich nach Ende seines Studium nach Norddeutschland wandte und daher kaum noch Bezüge zu seiner Heimatstadt hatte. Ebensowenig sind Bilder von ihm in südwestdeutschen Sammlungen zu erwarten. Umso erstaunter waren wir, als wir im Februar von Vorbesitzern in Heilbronn ein großformatiges Interieur von Otto Rauth aus dem Jahr 1913 erwerben konnten.

Schließlich erwarben wir im Februar noch ein weiteres Bild mit regionaler Herkunft. Das 2009 entstandene Aquarell mit einer Ansicht des Heilbronner Deutschhofs gab schon aufgrund seines Motivs einen regionalen Bezug preis. Der Künstler war der Lithograf und Hobbymaler Alfred Wertsch (1935-2018) aus dem Heilbronner Stadtteil Horkheim, der in der Heilbronner Volkshochschule Aquarellkurse gab und in Horkheim mehrmals eigene Werke ausgestellt hat. Auch von ihm hatten wir zuvor noch kein Werk besessen.
Sowohl zu Otto Rauth, als auch zu Otto Kainz und Alfred Wertsch haben wir umfangreiche Recherchen im Stadtarchiv Heilbronn sowie in der relevanten Presse ihrer Zeit angestellt und können auf unseren Seiten deswegen Lebensbilder zu allen drei Künstlern anbieten.
Der alljährliche Charity-Flohmarkt des CVJM in Heilbronn, der in den Vorjahren stets eine interessante Auswahl von Bildern regionaler Künstler bot, war Ende Februar 2025 eher enttäuschend. Generell waren wenige Gemälde gespendet worden, und die traditionelle Auktion von Einzelstücken fand dieses Jahr garnicht erst statt. Wir erwarben daher lediglich eine signierte Grafik des Heilbronner Künstlers Max Kosmas Zahner, von dem uns ansonsten auch dieses Jahr wieder einige bislang noch nicht registrierte Bilder gemeldet wurden.
Im März 2025 befassten wir uns mit Recherchen zum Stuttgarter Maler Hermann Erlenbusch (1890-1978), von dem wir bereits seit längerer Zeit ein Bild mit der Darstellung einer Dorfkirche besitzen. Wir haben uns vor allem auf Erlenbuschs künstlerischen Werdegang in den 1920er und 1930er Jahren konzentriert und fanden erstaunliche Zusammenhänge. So war er zwar 1929 an der Ausführung von später als „entartet“ geltenden Fresken im Klagenfurter Landtagsgebäude beteiligt, malte dann aber später ganz im Sinne der NS-Kulturpolitik u.a. ein Hitler-Porträt oder ein Selbstbildnis in SA-Uniform.
Im Frühsommer gelang es uns endlich, mit einer kleinen Radierung von Schloss Talheim bei Heilbronn ein Werk von Walther Eberbach (1866-1944) zu erwerben. Zwar nur eine unauffällige Radierung, aber dennoch endlich auch ein Werk des maßgeblichen Heilbronner Zeichenlehrers des frühen 20. Jahrhunderts, bei dem viele der auch sonst in unserer Sammlung vertretenen regionalen Künstler ihre erste Ausbildung erhielten und der noch seiner umfassenden Erforschung harrt.

Sicher zu den Schülern Eberbachs zählte der Maler Max Kosmas Zahner (1897-1977) aus Heilbronn-Sontheim, zu dem wir inzwischen seit mehreren Jahren forschen. Mit dem Erwerb von zwei kleinen sowie einem großen Blumenbild und weiteren zwei großen Landschaftsbildern konnten wir in der ersten Jahreshälfte 2025 unseren Bestand an Werken des Künstlers auf nun knapp 30 Gemälde erhöhen.

Zur bedeutendsten (Wieder-)Entdeckung des Jahres wurde schließlich im Sommer 2025 ein Bild des Bodenseemalers Georg Haid (1861-1935). Die kleinformatige Bachlandschaft sprach uns ausgesprochen an, so dass wir uns auf die Suche nach den Spuren des Malers begaben. Da sich zwar etliche Bilder im Kunsthandel nachweisen ließen, im Internet ansonsten aber nur wenig über den Künstler publiziert war, wandten wir uns an das Museum in seinem früheren Wirkungsort Nonnenhorn, wo man sich um die Erinnerung an den Künstler müht. Mit den zur Verfügung gestellten Unterlagen lässt sich ein anschauliches Lebensbild des Künstlers zeichnen.

Mit rund einem Jahr Verspätung erreichte uns im Juli 2025 die Kunde, dass ein amerikanischer Kunsthändler und ein deutscher Sammler bei ihrer Recherche nach einem anderen Künstler das Rätsel um die Signatur „Klinge“ gelöst haben, die sich auf zwei Originalzeichnungen in unserem Besitz, aber auch auf vielen Drucken und Postkarten mit Kinderbildnissen findet. Die deutsch-amerikanische Recherchekooperation widmete sich dem Künstler „Ric“, der als Fritz Neumann (1897-1984) aus Berlin-Spandau ermittelt werden konnte. Er und seine Gattin Hedwig Neumann geb. Klinge (1895-1980) waren selbstständige Grafiker, die ab den 1930er Jahren für verschiedene Kunstverlage tätig waren. Wir freuen uns, dass die Forschung von Meibohm Fine Arts und dem Sammler Christian Mahnke ein Rätsel lösen konnte, an dem wir uns sieben Jahre erfolglos versucht hatten.

Mit einer Gartenszene des Malers Walter Lilie (1876-1924) konnten wir erneut ein Werk eines interessanten und im weitesten Sinne noch regionla relevanten Künstlers erwerben. Der Maler, der gesundheitlich bedingt lange Zeit an der Riviera und in der Schweiz zubrachte, war ab der Zeit des Ersten Weltkriegs bis zu seinem frühen Tod 1924 in Baden tätig. Motive wie das unsere fand er hauptsächlich im Schlosspark von Schwetzigen, er soll jedoch auch zeitweise Zeichenlehrer in Mosbach gewesen sein. Unsere Forschungen zu seinem Lebensweg laufen noch.

Insgesamt blicken wir erneut auf ein erfolgreiches Jahr zurück, in dem wieder einmal die Forschung gleichberechtigt neben der Pflege des Sammlungsbestandes stand. Wir danken allen Freunden und Förderern unserer Sammlung für anregende Impulse während des vergangenen Jahres. Alles Gute für 2026 und bleiben Sie uns verbunden!