Karl Kehl

Karl Kehl (1904-1974) war Malermeister im Bad Rappenauer Ortsteil Zimmerhof. Er begann ungefähr im Alter von 20 Jahren mit selbständiger künstlerischer Betätigung, hielt u.a. auch Eindrücke aus der russischen Kriegsgefangenschaft im Bild fest. Nach dem Krieg hatte er eine eigene Werkstatt in Zimmerhof. Er betätigte sich in seiner Freizeit weiterhin als Kunstmaler und malte vor allem Motive aus dem benachbarten Bad Wimpfen.

Karl Kehl wurde am 24. Januar 1904 in Biberach im Kreis Heilbronn als Sohn des Landwirts Karl Josef Kehl und der Anna Maria Kehl, geb. Meisenhelter, geboren und besuchte in Biberach von 1910 bis 1918 die Volksschule.

Nach dem Tod der Mutter arbeitete Karl Kehl ab 1926 als Gipsergeselle bei Firmen in Bad Wimpfen, Heilbronn und Mannheim, wohin er 1936 zog. 1939 heiratete er die aus Ostpreußen stammende Hotelangestellte Frieda Swaczyna (1912-2005), mit der er vier Söhne hatte.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Karl Kehl 1939 zum Militärdienst einberufen. Er kämpfte erst in Frankreich, später in Russland, wo er auch in Kriegsgefangenschaft geriet. Während seines Kriegsdienstes wurde seine Familie über seine Kontakte in die alte Heimat 1943 von Mannheim ins alte Schulhaus nach Zimmerhof bei Rappenau evakuiert. Frieda Kehl war ab 1955 Glöcknerin des Schul- und Rathauses und hat diese Aufgabe danach 47 Jahre lang bis ins hohe Greisenalter dreimal täglich sowie zusätzlich bei Sterbefällen verrichtet.1

Das alte Schulhaus in Zimmerhof. Foto: Peter Schmelzle 2006.

1949 kehrte Kehl aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Zimmerhof zurück und eröffnete dort ein Maler- und Tapezierergeschäft, mit dem er Kunden in Rappenau, Wimpfen und Hohenstadt betreute. Vor allem in den auftragsschwachen Wintermonaten entstanden in seiner Werkstatt auch Ölgemälde, die er oft als Geschenke für treue Kunden und Jubilare oder als Tombolaspenden für Vereine fertigte.

Außer als Maler betätigte sich Kehl auch als Holzschnitzer. So stammen die im Fünfmühlental und in den Wäldern um Rappenau zu findenden geschnitzten Hinweisschilder von seiner Hand. Er ist außerdem auch der Maler der großen Wanderkarte an der Schmiede in Zimmerhof.

Karl Kehl starb nach kurzer schwerer Krankheit am 11. Januar 1974 in Bad Wimpfen. Die Sterbeglocke in Zimmerhof wurde von seiner Witwe Frieda Kehl geläutet, die ihren Gatten mehr als 30 Jahre überlebte.

Eine retrospektive Werkschau mit Werken von Kehl und seinem Zeitgenossen Emil Osterburg, der ebenfalls Maler in Rappenau war, fand 2005 im Bad Rappenauer Rathaus statt.23

Werke in der Kunstsammlung Schmelzle:

Inv. Nr. 0000.013: Ansicht von Wimpfen, 46 x 63 cm, signiert “K. Kehl” und dat. 1956.
Inv. Nr. 2019.048: Ansicht von Wimpfen, 31 x 40 cm, signiert “K. Kehl”, nicht datiert.

Werke im Kunsthandel:

Südliche Landschaft, Öl auf Faserplatte, 51 x 70 cm, signiert “K. Kehl” und dat. 19364
Südliche Landschaft, Signaturdetail

Einzelnachweise

Besonderer Dank gebührt Regina Thies vom Stadtarchiv Bad Rappenau, die uns Unterlagen zur Ausstellung in Bad Rappenau 2005 zur Verfügung stellte, aus der die meisten biografischen Angaben entnommen sind.

  1. Hubert Waldenberger: Die Glöcknerin von Zimmerhof, in: Bad Rappenauer Heimatbote 2014, S. 56.
  2. Bilder vom alten Bad Rappenau, Heilbronner Stimme vom 15. September 2005
  3. Idyllische Plätze und Winkel aus Sicht einer vergangenen Zeit, Heilbronner Stimme vom 26. Septeber 2005
  4. Cuxhavener Auktionshalle, 30. November 2018, Lot 12074