Else Schwarz-Binder

Else Schwarz-Binder (1914-2000) war Malerin in Talheim bei Heilbronn. Sie schuf zahlreiche futuristische, oft auch abstrakte Werke, häufig im Rahmen der „Kunst am Bau“. Die von ihr um 1966 begründete und an wechselnden Orten betriebene „Samstag-Galerie“ war eines der Zentren im Kunstleben der Region Heilbronn.

Else Binder wurde am 30. September 1914 in Heilbronn geboren. Sie war die Schwester des Grafikers Gerhard Binder (1912-1997), der gemeinsam mit Bruno Velten (1910-1967) ein Werbestudio in Heilbronn betrieb. Else Binder nahm in Heilbronn zunächst Kunstunterricht bei Prof. Walther Eberbach und studierte anschließend an der Münchner Kunstschule und der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart.

Sie heiratete den Heilbronner Lehrer Otto Schwarz (1904-1975), der zuletzt Leiter der Volkschule Neckargartach (Rektor der Albrecht-Dürer-Schule) war. Schwarz entwickelte und nutzte im Unterricht die von ihm so genannte „Elementargrafik“, d.h. künstlerische Schülerzeichnungen mit kunstvoll angeordneter Schrift.1 Das Paar lebte wenige Kilometer außerhalb Heilbronns in Talheim.

Else Schwarz-Binder war Mitglied des Heilbronner Künstlerbundes und beteiligte sich an desen Ausstellungen genauso wie an jenen des Kunstvereins Heilbronn, der Freien Künstlergruppe Pilum, des Württembergischen Kunstvereins, des Württembergischen Berufsverbands Bildender Künstler und des Bayerischen Verbands Bildender Künstler. Sie schuf gegenständliche, aber auch abstrakte oder futuristische Arbeiten, die häufig den Menschen im Kontext technischer oder geschichtlicher Entwicklung zum Gegenstand haben. Sie arbeitete hauptsächlich mit Pastellkreide. Dynamik und Farbe stehen in ihren Bildern meist gleichberechtigt neben den konkreten Motiven.

Die Malerin nahm zahlreiche Aufträge im Rahmen der äußerst lukrativen „Kunst am Bau“ wahr, bei der ab den 1950er Jahren mindestens 1% der Investitionssumme für öffentliche Gebäude in deren künstlerische Ausgestaltung zu fließen hatten. So schuf sie u.a. Werke für die Stadt Heilbronn, die Stadtbibliothek Heilbronn, die Volksschule Neckargartach (an der ihr Mann unterrichtete), das Kultusministerium Baden-Württemberg, die Technischen Werke der Stadt Stuttgart und die Volksschule Hessigheim. Als ab 1972 das Kernkraftwerk Neckarwestheim unweit ihres Wohnorts Talheim erbaut wurde, war die riesige Baustelle ein nicht enden wollener Inspirationsquell für die von Technik begeisterte Malerin, die zahlreiche Bilder von dem im Entstehen begriffenen Bauwerk schuf.2 Das Kraftwerk erwarb einige ihrer Bilder und würdigte die Malerin im Jahr 1991 mit einer Jubiläumsausstellung.3 Für das Kreiskrankenhaus in Erbach schuf sie große Wandbilder, die Gästehäuser einer Jagdfarm in Namibia malte sie komplett aus.4

Else Schwarz-Binder war aber nicht nur als Malerin geschätzt, sondern auch als Galeristin und Kuratorin. Ab etwa 1966 betrieb sie zunächst in ihrem Haus in Talheim die so genannte „Samstag-Galerie“,5 in die sie Künstler aus ganz Südwestdeutschland einlud. 1970 hatte dort z.B. der Bildhauer Wilhelm Hager (1921-2006) eine Einzelausstellung. Dieser Ausstellungsbetrieb erfuhr überregionale Beachtung und wechselte bald auch an andere Orte. 1973 präsentierte sie im Informationszentrum des Heilbronner Bürohauses Seel unter dem Motto „Kunst im Büro“ 19 Künstler aus Baden-Württemberg, darunter die Malerin und Grafikerin Lilo Rasch-Nägele (1914-1978).

Die Künstlerin starb am 26. September 2000.

Werke in der Kunstsammlung Schmelzle

Inv. Nr. 2020.068: „Auf der Suche“

Inv. Nr. 2020.067: „Ziel unbekannt“

Inv. Nr. 2020.066: „Technische Landschaft“

Weitere Werke

Bild mit Sportlern und Astronauten, war als „Kunst am Bau“ für längere Zeit im TDS-Büroturm in Neckarsulm.

Drei großformatige Wandbilder im Kreiskrankenhaus Erbach (Gesundheitszentrum Odenwald).6

Abstrakte Komposition, war als „Kunst am Bau“ für längere Zeit im TDS-Büroturm in Neckarsulm.

Stadt am Fluss, Pastellkreide auf Papier, 60,5 x 80,2 cm. Auktionshaus Michael Zeller, Lindau am Bodensee, 131. Kunstauktion, Dezember 2016, Lot 1379. Taxe: 220 EUR, nicht verkauft.7

„Trümmerfrauen halfen Verschüttete bergen und wurden auch als Bauhelfer aktiv“, 42 x 58 cm, Farbkreide auf Karton. Auktionshaus Heickmann, Chemnitz, 17. März 2018, Lot 1820. Ausrufpreis 20 EUR.8

Abstrakte Komposition mit Sphären, Augen und Schädel in bemaltem Künstlerrahmen. 70 x 79 cm. Historia Auktionshaus, Berlin, 149. Auktion, 9. Juni 2020, Lot 8327, verk. für 30 EUR.9

„Phantastische Reise I“, war 2006 im Kunsthandel.

„In Bewegung“, war 2006 im Kunsthandel.

Einzelnachweise

  1. Stadtarchiv Heilbronn, Bestand ZS-11558.
  2. Hans P. Eppinger (Hrsg.): „Franken heute“. Magazin der Region Franken. Neckarland Hohenlohe Main-Tauber-Kreis. 4. Jahrgang, Nr. 1, Eppinger-Verlag, Schwäbisch Hall 1975, S. 18-20.
  3. Gemeinschaftskraftwerk Neckar GmbH Neckarwestheim (Hrsg.): Else Schwarz-Binder. Malerei und Zeichnungen. Jubiläumsausstellung vom 6. September bis 19. Oktober 1991. In: 10 Jahre GKN – Galerie im Rundbau. Walter Druck und Verlag GmbH, Brackenheim-Hausen 1991.
  4. Schul-, Kultur- und Sportamt der Stadt Heilbronn (Hrsg.): Kulturkatalog 1993, Heilbronn 1992, S. 167.
  5. Stadtarchiv Heilbronn, Archivbestand ZS-3063.
  6. Fotos von Stefan Reinschild, Bauleitung Gesundheitszentrum Odenwald, Dezember 2020.
  7. https://www.zeller.de/de/katalog/auktion-131-dezember-2016/suche-im-auktionskatalog-nr-131-dezember-2016/kategorie/moderne-und-zeitgenoessische-kunst/?tx_extendedproduct_pi1%5Bcpage%5D=3
  8. https://www.lotsearch.de/lot/schwarz-binder-else-1914-heilbronn-2000-farbkreide-auf-karton-33942717?locale=de_DE&orderBy=lot-startPrice&order=ASC&perPage=50
  9. https://katalog.historia.de/de/l/207953/gemaelde_aquarell/else_schwarz-binder?aid=70%2C70&Lstatus=0%2C0&ord=price_a&currentpos=32