Käthchenbrunnen in Heilbronn (Willi Wioska)

Inv. Nr. 2018.013

Beschreibung

? x ? cm, Leinwand, gerahmt

Unten links signiert “W. W.”

Der von Dieter Läpple (geb. 1938) gestaltete und 1965 aufgestellte Käthchenbrunnen in Heilbronn polarisierte die Einwohner der Stadt. Durch Kleists Schauspiel „Das Käthchen von Heilbronn“ ist Heilbronn gemeinhin als Käthchenstadt bekannt, und die Titelfigur wird mannigfaltig zu touristischen Zwecken genutzt. Die etwas unproportioniert wirkende Brunnenfigur von Dieter Läpple wollte aber nicht so recht dem Anspruch der Bürger an eine hübsche Repräsentationsfigur entsprechen. Zu kräftige Waden habe sie, zu flachbrüstig sei sie, ihr Hintern sei zu groß. Über verschiedene, sich bald nach der Aufstellung ereignenden Proteste und Anschläge gegen die Figur berichtete sogar Die Zeit in ihrer Ausgabe 40/1965. Man erinnerte an „das Plakat ,Unser Contergan-Käthchen‘, mit dem die Brunnenfigur eines Morgens dekoriert war, und die mit Farben gefüllten Eier, mit denen die Standhafte eines Abends bekleckert wurde“ und erwähnte einen „mannhaften Anlauf, das ,entartete‘ Käthchen in den Brunnen zu stürzen“. Allen Stürmen zum Trotz hat sich die Figur bis heute erhalten.

Der ansonsten nicht künstlerisch in Erscheinung getretene und früh verstorbene Willi Wioska (von dessen Nachfahren wir das Bild erworben haben) hat eine außergewöhnliche Perspektive zur Darstellung der Szenerie gewählt. Von hinter dem Käthchenbrunnen blickt er, am historischen Fleischhaus vorbei, in die noch als Fahrstraße ausgestaltete Kirchbrunnenstraße. Die Szene ist merkwürdig unbelebt: weder Autos noch Menschen sind auf den Straßen zu sehen. Die Entstehung des Bildes kann zeitlich zwischen der Aufstellung des Käthchenbrunnens 1965 und dem Umbau der Kirchbrunnenstraße zur Fußgängerzone in den 1970er Jahren eingegrenzt werden.

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