Rolf Lang

Rolf Lang (1891-1948) war Maler und Kunstlehrer aus Karlsruhe. Er war Mitglied des Badischen Künstlerbundes und schuf ab 1935 einen großen Bilderzyklus im Karlsruher Helmholtz-Gymnasium.

Rolf Lang wurde 1891 als Sohn eines Spediteurs und der Inhaberin eines Kolonialwarenladens in der Alten Lange Straße 2 in Offenburg geboren,1 verbrachte dort seine Schulzeit und seine Jugend. Aufgewachsen in einem musischem Elternhaus, hatte er schon früh Interesse an Kunst, Literatur, und Musik. Er spielte Klavier und Geige, und die Mutter war lange Zeit unschlüssig, ob sie ihrem Sohn ein Kunst- oder ein Musikstudium anraten solle. 1913 nahm Lang schließlich das Studium der Malerei in Karlsruhe auf. Bei künftigen Besuchen in seiner Heimatstadt sei er danach stets „mit Künstlerhut“ aufgetreten. Seine frühesten nachweisbaren Werke stammen noch aus seiner Studienzeit. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Offizier teil. Seit 1919 war er Kunsterzieher am Karlsruher Helmholtz-Gymnasium, ab den 1920er Jahren mit großem Erfolg auch in der theoretischen Ausbildung von Zeichenlehrern tätig.2

Er war verheiratet mit der Hinterglasmalerin Helle Lang (1894-1985).

Im Adressbuch von Karlsruhe erscheint er erstmals im Jahr 1927 als Zeichenlehrer und Kunstmaler im 1. OG der Viktoriastraße 24 als Mieter im Haus des Journalisten Dr. Rudolf Kircher (1885-1954), der zu dieser Zeit Korrespondent in England war.3 Die innenstadtnahe Wohnung lag nur wenige Gehminuten vom Helmholtz-Gymnasium in der Kaiserallee entfernt. Ab 1928 hatte er zusätzlich ein angemietetes Atelier in der nahen Stephanienstraße 48.4 Ab 1929 lebte er weiterhin unweit der Helmholtz-Schule in einer innerstädtisch gelegenen Dienstwohnung des Unterrichtsministeriums in der Hoffstraße 7.5 Dort erscheint im Adressbuch 1930/31 neben ihm auch seine Frau als Kunstgewerblerin.6 1931 bezog er er mit seiner Frau ein Haus im Rosenweg 83 im Karlsruher Stadtteil Rüppurr.7 1935 zog das Paar in ein neu erbautes Doppelhaus in der Heidelberger Straße 19 in der Dammerstock-Siedlung beim Schloss Rüppurr.8

Er war Mitglied des Badischen Kunstvereins und war mit einem Bild im Januar 1935 bei dessen Mitgliederausstellung vertreten.9

1935/36 stattete Lang die Wände der Primaner-Klassenzimmer des Karlsruher Helmholtz-Gymnasiums mit Wandbildern nach seinen Entwürfen aus. Alle Klassen, die Lang unterrichtete, d.h. etwa die Hälfte der 530 Schüler, war an der Ausmalung der Räume beteiligt. Die Bilder in den Klassenzimmern zeigten Knaben bei Freizeitbeschäftigungen wie Wandern, Schwimmen und Musizieren. In den Folgejahren schuf Lang in der Treppenhaushalle Porträts von Lehrern des Gymnasiums, die am Ersten Weltkrieg teilgenommen und den Einsatz überlebt hatten, in ihren Weltkriegsuniformen. Das Bildprogramm der Treppenhaushalle wurde außerdem durch Schlachtendarstellungen aus dem Ersten Weltkrieg ergänzt. Zuletzt gestaltete Lang die Aula des Zweiten Stockes mit Szenen aus dem völkischen Leben.10 Das Bildprogramm wurde in der Zeitschrift „Der Führer“ vom 20.11.1938 ausführlich vorgestellt.11

Wandmalereien in den Primanerräumen des Karlsruher Helmholtz-Gymnasiums.

Lehrerporträts in Weltkriegsuniformen in der Treppenhaushalle der Helmholtz-Schule.

Schlachtenszenen in der Treppenhaushalle der Helmholtz-Schule.

Trotz seiner vordergründig im Stil der NS-Zeit gestalteten Wandmalereien war Lang offenbar kein überzeugter Nationalsozialist. Noch 1934 bescheinigte ihm ein amtlicher Bericht, „seiner ganzen Anschauung nach Demokrat“ zu sein, was später seiner beruflichen Karriere hinderlich war.12 Als Teilnehmer des Ersten Weltkriegs sind seine Beiträge zum Kriegergedenken auch ohne NS-Ideologie verständlich. 1939 erhielt er ein Treuedienstabzeichen. Erst 1942 trat er in die NSDAP ein, war aber in keinen NS-Organisationen aktiv.13

Ab 1938 hatte Langs Wohnhaus in der Heidelberger Straße die Hausnummer 6. Sein Atelier verlegte er zu jener Zeit von der Viktoriastraße in die Hoffstraße 1.14 Dabei blieb es auch durch die Kriegsjahre. Das Atelier in der Hoffstraße wurde im Krieg zerstört, das Wohnhaus in der Heidelberger Straße beschädigt.15 Die Familie Lang kam bei Nachbarn in der Straße Rechts der Alb 36 unter,16 bis das eigene Haus wiederaufgebaut war. Ab 1947 erscheint Rolf Lang wieder in der Heidelberger Straße 6.17

Das Wohnhaus von Rolf Lang in der Dammerstock-Siedlung in Karlsruhe. Foto: Peter Schmelzle 2020.

Relief von Rolf Langs Frau Helle Lang an der Fassade des Wohnhauses in der Dammerstock-Siedlung, links unten bezeichnet mit Monogramm HL. Foto: Peter Schmelzle 2020.

Er war schwer magenkrank und starb 1948 im Alter von 57 Jahren in Karlsruhe. Seine Witwe bewohnte das Haus in der Heidelberger Straße noch lange Jahre. Ein Nachruf mit biografischen Daten zu Rolf Lang wurde 1952 von Oberstudiendirektor Karl Broßmer im Arbeitskreis für Familienforschung Baden-Durlach Unterland veröffentlicht.

1954 fand eine Gedächtnisausstellung des Badischen Kunstvereins für verschiedene verstorbene Mitglieder, darunter Rolf Lang, statt.18

Seine Wandmalereien im Helmholtz-Gymnasium in Karlsruhe haben den Zweiten Weltkrieg überstanden. Weil die Knabenbildnisse in den Primanerräumen keine Parteiabzeichen o.ä. enthielten, blieben diese auch noch Jahre nach Kriegsende erhalten und wurden erst 1960 übermalt.

Werk in der Kunstsammlung Schmelzle

Damenbildnis, 50 x 40 cm, auf Leinwand, signiert “Rolf Lang” und dat. (19)46, Inv. Nr. 2020.051.

Einzelnachweise

  1. Die inzwischen verwitwete Mutter war dort noch 1920 gemeldet, vgl. Einwohnerbuch der Badischen Kreishauptstadt Offenburg 1920, S. II.63. (online)
  2. Die biografischen Daten zu Rolf Langs Abstammung und Jugendzeit haben wir einem Beitrag von Wolfgang Kollmer bei baden-online.de von 2003 entnommen. Originalbeitrag: https://www.bo.de/lokales/offenburg/kuehne-komposition-glutvolle-farbigkeit
  3. Adressbuch der Landeshauptstadt Karlsruhe 1927, S. III.159. (online)
  4. Adressbuch der Landeshauptstadt Karlsruhe 1928, S. III.164. (online)
  5. Adressbuch der Landeshauptstadt Karlsruhe 1929, S. III.159. (online)
  6. Adressbuch der Landeshauptstadt Karlsruhe 1930/31, S. III.160. (online)
  7. Adressbuch der Landeshauptstadt Karlsruhe 1931/32, S. III.159. (online)
  8. Adressbuch der Landeshauptstadt Karlsruhe 1935/36, S. III.153. (online)
  9. Christoph Zuschlag: Der Kunstverein und die „Neue Zeit“. Der Badische Kunstverein zwischen 1933 und 1945. In: Jutta Dresch (Hrsg.): Bilder im Zirkel. 175 Jahre Badischer Kunstverein, Karlsruhe 1993, S. 191-207, hier S. 201.
  10. Monika Wagner: Erinnern und Beteiligen als Strategie der Gemeinschaftsstiftung. Die Ausmalung der Karlsruher Helmholtz-Schule, in: Ulrich Herrmann, Ulrich Nassen (Hrsg.): Formative Ästhetik im Nationalsozialismus. Intentionen, Medien und Praxisformen totalitärer ästhetischer Herrschaft und Beherrschung (Zeitschrift für Pädagogik, 31. Beiheft). Weinheim 1993, S. 123-137. (PDF)
  11. O. Bartsch: Soldatentum im Schulraum, in: Der Führer, Ausgabe Gauhauptstadt Karlsruhe, 20. November 1938
  12. Nachruf auf Rolf Lang im Jahresbericht des Helmholtz-Gymnasiums 1948.
  13. Wagner a.a.O., S. 135.
  14. Adressbuch der Gau- und Landeshauptstadt Karlsruhe 1938, S. III.170. (online)
  15. Auskunft des heutigen Besitzers im September 2020. Beim Wiederaufbau des Gebäudes sollen verschiedene bauliche Änderungen vorgenommen worden sein.
  16. Adressbuch der Stadt Karlsruhe 1945/46, S. II.151. (online)
  17. Adressbuch der Stadt Karlsruhe 1947, S. II.228. (online)
  18. https://artfacts.net/exhibition/gedachtnisausstellung-willi-egler-theodor-esser-rolf-lang-wilhelm-nagel-fritz-staufert/598786