Lotte Usadel

Charlotte „Lotte“ Usadel (1900-1982) war Kunstmalerin aus Stettin, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Heilbronn lebte. Sie zählte zur ersten Generation von Frauen, die nach dem Ersten Weltkrieg Kunstgewerbeschulen besucht hatten und war als Wand- und Glasmalerin in Stettin erfolgreich gewesen. Ihr Frühwerk ging jedoch während Krieg und Vertreibung verloren. In Südwestdeutschland, wohin sie geflohen war, hate sie zwar noch ein paar Aufträge und Ausstellungen, wollte oder konnte zuletzt aber nicht mehr künstlerisch kommerziell tätig sein.

Leben

Charlotte Usadel wurde am 13. Mai 1900 als Tochter des Forstsekretärs Gustav Usadel (1872-1941) in Stettin geboren. Sie besuchte ab Ostern 1918 die Kunstgewerbeschule in Stettin und hatte dort drei Jahre Unterricht bei Prof. Schmidt. Anschließend studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg bei Prof. Erich Wolfsfeld. In der Zeit der Inflation musste sie ihr Studium aus finanziellen Gründen abbrechen und kehrte zu den Eltern nach Stettin zurück, wo sie vom Stettiner Museumsdirektor Walter Riezler (1878-1965) in ihrer künstlerischen Entwicklung gefördert wurde und ein Atelier im Museum beziehen konnte. Der Verkauf einiger Werke an das Museum und die Provinz ermöglichten ihr von September 1927 bis Juni 1928 einen mehrmonatigen privaten Aufenthalt in Paris. Anschließend war sie wieder in Stettin, wo sie auch zu bleiben gedachte, da sie sich dort von fremden Einflüssen bewahrt sah und ihre Eigenart am ehesten zu entwickeln vermochte.1

In Stettin zählte sie zu der Gruppe „Das Neue Pommern“, die sich hauptsächlich aus Schülern des Werkschuldirektors Gregor Rosenbauer (1890-1966) und seiner Kollegen zusammensetzte. Gemeinsam mit Riezler und Rosenbauer zählte sie zum Freundeskreis um den Kaufmann Georg Manasse jun. (1891-1961), dessen Landgut in Hohenleese in den Jahren vor 1933 mit seiner umfangreichen Bibliothek ein häufiger Treffpunkt des Künstlerkreises war.2

Aus ihrer Zeit in Berlin und Paris sind intensive Liebschaften bekannt, auch war sie einmal verlobt, aber letztlich blieb sie zeitlebens ledig. Als Signatur ihrer Werke verwendete sie das Kürzel „ulo“, was auch schon ihr Rufname während der Zeit in Stettin war.3

Die NS-Zeit brachte das Verbot der Gruppe „Das Neue Pommern“ und das Lehrverbot für Usadels Förderer Riezler und Rosenbauer. Lotte Usadel blieb davon allerdings schon weitgehend unberührt, denn sie hatte inzwischen lukrative Aufträge für Wand- und Glasmalereien.4 In ihrem Atelier in Stettin arbeitete sie, bis 1945 die Frontlinie naherückte und sie zur Flucht gezwungen war.

Der Ausgang des Zweiten Weltkriegs brachte den Verlust ihrer Heimat und praktisch all ihrer Werke. Sie floh zu ihrem Bruder nach Heidelberg, lebte einige Zeit im Kraichgau auf dem Land und zog dann nach Heilbronn, wo sie in der Gutenbergstraße 37 in der Villa Dopfer wohnte.5

Die Last der Vertreibung ließ sich nicht abschütteln. Trotz einiger künstlerischer Aufträge, allen voran die Glasfenster mit Vertreibungsmotiven für die Pommerkapelle der Kieler Nicolaikirche, eingeweiht 1957/58, konnte oder wollte sie künstlerisch nicht mehr kommerziell Fuß fassen. Sie verachtete gewissermaßen auch die provinziellen künstlerischen Verhältnisse, die sie in der Gegend zwischen Heilbronn und Heidelberg vorfand. Sie beteiligte sich an Aussstellungen des Heilbronner Künstlerbunds und trat einem Stuttgarter Künstlerbund bei, aber ihre Malerei geriet immer mehr zur privaten Angelegenheit, mit Bildern, die sie auf den Ausstellungen als „unverkäuflich“ kennzeichnete. Schließlich stellte sie die kommerzielle künstlerische Tätigkeit ganz ein. Auch das Angebot einer Zeichenlehrerstelle an einem Gymnasium schlug sie aus. Ihr Einkommen hatte sie mit dem Schreiben von Klinik-Statistiken für ihren Bruder.6

Zuletzt war sie im Städtischen Altersheim Katharinenstift in der Arndtstraße 10 in Heilbronn gemeldet.7

Werk in der Kunstsammlung Schmelzle

Inv. Nr. 2021.031: Szene bei Neckarmühlbach

Einzelnachweise

  1. Biografische Angaben aus ihrer Bewerbung zum preußischen Staatspreis 1929 (online)
  2. Else Mögelin: Gregor Rosenbauer und Stettin, Baltische Studien NF 53.1976, S. 93-98, hier S. 96 (Digitalisat)
  3. Bereits erwähnt für die Zeit um 1930 bei Else Mögelin in Baltsiche Studien NF 53.1976, S. 96, aber auch noch auf dem Bild um 1960 in unserer Sammlung vorkommend.
  4. https://sh-kunst.de/kuenstler/usadel-lotte/
  5. Stadt Heilbronn (Hrsg.): Adressbuch der Stadt Heilbronn 1961, Heilbronn 1961.
  6. Ulrike Alber-Vorbeck: „Meine Eigenpersönlichkeit”: Die Malerin Lotte Usadel (1900-1982), Newsletter der Universität der Künste Berlin, 19. Oktober 2020.
  7. Adressbuch Heilbronn 1981.