Friedrich Nierholz

Mit insgesamt vier Gemälden des badischen Landschaftsmalers Friedrich Nierholz (1876-1924) verfügen wir über einen nicht unbedeutenden Teil seines Gesamtwerks. Durch umfangreiche Recherchen in historischen Archivalien war es uns möglich, den zuvor noch nicht beschriebenen Werdegang des Künstlers zumindest grob zu skizzieren.

Biographie

Der Künstler, der stets mit “F. Nierholz” signierte, wurde am 11. November 1876 als Sohn des Schreinermeisters Valentin Nierholz (1841-1917) und seiner Frau Katharina geb. Preiß (1847-1934) geboren. Sein voller Name war Friedrich Jakob Nierholz.1 Seine im Landesarchiv Baden-Württemberg verwahrten Personalakten nennen ihn Jakob Friedrich Nierholz.2 Der Vater stammte aus Biederbach bei Emmendingen, die Mutter aus Grünwettersbach bei Karlsruhe. Geheiratet hatten sie am 29. Juni 1872.3 Die Tochter Katharina wurde am 26. April 1874 geboren. Friedrich Jakob war im November 1876 das zweite Kind. 1879 folgte noch die Tochter Maria. Wirtschaftlich scheint die Familie in Friedrichs Jugendjahren gut gestellt gewesen zu sein. Der Vater konnte im Dezember 1883 zwei weitere Möbelschreiner einstellen4 und 1885 einen Neubau in der Augartenstraße 5 mit vier Stockwerken und 15 Zimmern erstellen.5

Der Vater verkaufte 1893 das Haus samt Inventar für 40.500 Mk an den Blechner Leopold Schmidt.6 Danach zog die Familie in die Karlstraße 93 und der Vater nahm eine Werkstatt in der Bahnhofstraße 28.7 Er erscheint in den Adressbüchern noch bis 1897 als Schreiner, danach als Privatier. Gleichzeitig zog die Familie spätestens 1898 in die Scheffelstraße 47, wo Sohn Friedrich ab 1904 mit eigenem Haushalt genannt wird.

Über Friedrich Nierholz’ Schulbildung ließ sich nichts in Erfahrung bringen. Er scheint wohl die übliche städtische bürgerliche Bildung genossen haben, anschließend wechselte er an die Karlsruher Kunstgewerbeschule, wo er bald künstlerisch greifbar wird. Im Alter von 20 Jahren wirkte Nierholz 1896 als Zeichner bei der Gestaltung der Festwagen für die Geburtstagsfeier des badischen Großherzogs mit.8 1897 zeichnete Nierholz als Kunstgewerbeschüler einen Renaissance-Türgriff, der im Kunstgewerbeblatt veröffentlicht wurde.9 1902 entwarf er die Glückwunschmappe des Verbands der badischen landwirtschaftlichen Konsumvereine anläßlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums des Großherzogs Friedrich I. 10

1903 war er als Zeichner Mitglied im Badischen Kunstgewerbeverein11 und wurde Assistent im Zeichenbureau der Karlsruher Kunstgewerbeschule12 bei Prof. Karl Hoffacker. In dieser Stellung entwarf er 1904 den Ausstellungsraum der Großherzoglich Badischen Majolikamanufaktur für die Weltausstellung in St. Louis.13

Ausstellungsraum der Großherzoglich Badischen Majolikamanufaktur für die Weltausstellung in St. Louis, nach Entwürfen von Friedrich Nierholz:

1905 war er Hilfslehrer an der Kunstgewerbeschule.14 Für die Jubiläums-Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe in Karlsruhe 1906 fertigte er Entwürfe für zeitgenössische Empfangs- und Arbeitsräume, die er mit eigenen Aquarellen dekorierte.15 Textile Arbeiten für diese Räume, nämlich vier Sofakissen, fertigte die Schwester Marie Nierholz, deren Name in Bleistift auch auf der Rückseite eines unserer Bilder niedergeschrieben ist.

Entwurf für einen Arbeitsraum, Friedrich Nierholz 1906:

Ebenfalls 1906 entwarf er die Glückwunschmappe der Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen aus Anlass der Goldenen Hochzeit des Großherzogspaares.16

1910 war Nierholz Herausgeber eines zweiteiligen, bei Maier in Ravensburg erschienenen Tafelwerks über “Einfache Möbel im neuzeitlichen Stil”.17

Entwurf für die Ecke eines Speisezimmers mit Anbau:

Angesichts der nüchternen, linearen Darstellungsweise seiner architektonischen Entwürfe, und der rein technischen Schraffurtechniken, die in den Entwurfszeichnungen Abschattungen und Farben simulieren, verwundert nicht, wie Nierholz auch in seinen Ölgemälden die Bilder mit schraffurartigen Strichen überzieht, die dann das Muster der Tannenzweige, der Wegdecke oder der Blumen im Gras bilden.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg war Nierholz nicht nur als Gestalter von Inneneinrichtungen bekannt, sondern auch als Maler. Im Dezember 1906 meldete der Badische Kunstverein nicht näher bezeichnete Aquarelle von Nierholz unter seinen Neuzugängen,18 im Oktober 1907 waren es zwei Landschaftsbilder. 1908 waren zwei seiner Gemälde beim Kunstverein in Heidelberg ausgestellt19, im März 1910 war er bei einer Ausstellung des Basler Kunstvereins vertreten,20 im August 1910 bei einer Ausstellung des Hamburger Kunstvereins.

Im Jahr 1909 erwarb Großherzogin Hilda von Baden ein Aquarell des Künstlers. Ihre Hofdame Freiin von Stockhorner und Kammerherr Freiherr von Göler taten es ihr gleich.21

1914 unterbrach der erste Weltkrieg die badische Postkarten-Idylle. Im Jahr des Kriegsausbruchs zog Nierholz in die Marie-Alexandra-Straße 18, ab 1917 war er in der Sofienstraße 35 gemeldet. Ab 1914 firmierte er im Adressbuch außerdem nicht mehr als Zeichner, wie er während seiner Tätigkeit für die Kunstgewerbeschule stets genannt wurde, sondern fortan als Kunstmaler.22 Möglicherweise hat er sich selbstständig gemacht oder wurde von der Schule entlassen.

Der fortschreitende Verlauf des Krieges würde den Künstler bald einholen. Berührungspunkte mit dem Militär hatte Nierholz ohnehin schon früher gehabt. Er hatte einige Jahre vor dem Krieg die Hintergrund-Lithografie für die Erinnerungs-Fototafel der Reservisten des Jahres 1907 des 1. Badischen Leibgrenadier-Regiments Nr. 109 gestaltet.23

Reservistentafel von 1907:

Im weiteren Verlauf des Ersten Weltkriegs folgte Nierholz dann dem Ruf zu den Waffen. Als Vizefeldwebel vom Landsturm-Infanterie-Bataillon Nr. 1 „Karlsruhe“ erhielt er am 22. Januar 1915 die Silberne Verdienstmedaille am Bande der Militärischen Karl Friedrich-Verdienstmedaille.24 Am 19. März 1915 wurde er mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.25 Als im November 1917 der Vater starb, war Friedrich Nierholz noch im Feld.26

Todesanzeige für Valentin Nierholz 1917:

Nach Kriegsende beteiligte sich Nierholz wieder an Ausstellungen. 1920 lobt der Rezensent der Badischen Presse, dass Nierholz neben dem Maler Willy Oertel in seinen künstlerischen „Schilderungen ebenfalls von kräftiger Art“ sei.27

Im Adressbuch von 1922 erscheint er in der Sofienstraße 26, ist also innerhalb derselben Straße ein paar Häuser weiter gezogen. 1923 wohnt er in der Waldstraße 40b.28 Im Nachtrag zum Adressbuch 1923/24 erscheint er letztmals unter dieser Adresse. Ab 1925 wird dort nur noch Helene, die Witwe des Kunstmalers, genannt.29

Als Sterbejahr des Künstlers wird im Kunsthandel häufig “nach 1925” genannt. Da er zum mutmaßlichen Redaktionsschluss des Adressbuch-Nachtrags (wohl Dezember 1923) noch lebte, aber zum für das Adressbuch von 1925 maßgeblichen Stichtag 1. November 1924 bereits tot war, kann man sein Todesdatum zwischen Dezember 1923 und 1. November 1924 lokalisieren.

Beim Tod des Vaters 1917 und beim Tod der Mutter 193430 wird unter den Hinterbliebenen auch die unverheiratete jüngste Tochter Marie Nierholz genannt. Sie lebte in den 1930er Jahren an derselben Adresse wie die Mutter, als Beruf wird Näherin genannt. Sie war 1936 erstmals in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau in Behandlung.31 Möglicherweise war eine seelische Disposition der Grund dafür, dass sie ledig und bei den Eltern blieb. Sie überlebte nicht nur Vatter und Mutter sowie den Bruder, sondern auch die ältere Schwester Katharina Weilmünster geb. Nierholz, die 1944 starb.32 Diese hatte 1901 den Schriftsetzer Johannes Weilmünster aus Sickingen geheiratet.33 Marie Nierholz wird in Adressbüchern bis 1962 genannt, zuletzt als Rentnerin in der Pulverhausstraße. Warum sich ihr Name auf der Rückseite eines unserer Bilder befindet, bleibt ungeklärt. Da wir aber ein ganzes Bilderkonvolut erwerben konnten, besteht durchaus die Möglichkeit, dass unsere Nierholz-Gemälde geschlossen aus dem Nachlass dieser den Künstler um etwa vier Jahrzehnte überlebenden Schwester stammen.

Werke von Friedrich Nierholz in der Kunstsammlung Schmelzle:

Gehöft in Frühlingslandschaft, unsere Inv. Nr. 2018.041:

Mühle im Schwarzwald, unsere Inv. Nr. 2018.040:

Häuser mit blütenumranktem Torbogen, unsere Inv. Nr. 2018.039:

Bergweg mit Kapelle, unsere Inv. Nr. 2018.042:

Beispiele für weitere Werke von Friedrich Nierholz

Hornisgrinde, Privatbesitz:

Schwarzwaldlandschaft, Privatbesitz:34

Landschaft mit Gehöft, Auktion bei Galartis, Aubonne, 3. Juni 2012, Lot 80:

Landschaft mit Gehöft, Auktion bei Galartis, Aubonne, 3. Juni 2012, Lot 81:

Dorfansicht, 2018 im Kunsthandel:

Haus im Wald, 2019 im Kunsthandel:

Schwarzwaldszene, polnischer Kunstmarkt 2018:

Landschaft mit Gehöft und Brücke, ebay.de, Mai 2019:35

Landschaftsgemälde, Goldi Art & Kunst, Garmisch-Partenkirchen:

Landschaftsgemälde, ebay UK:

Landschaftsgemälde, ebay Kleinanzeigen 2018:

Herbstliche Bachlandschaft, Galerie Ken M. Müller in Bad Ems:36

Winterlandschaft, Auktion bei Sloans & Kenyon, Chevy-chase, 15. April 2011, Lot 850:

Blumenstillleben, in Privatbesitz:

Beispiele für Werke von Friedrich Nierholz im historischen Kunsthandel:

*Rudolf Bangel, Frankfurt am Main , 14.-15. März 1916, Lot 155: Partie aus dem Taunus, Aquarell, 13 x 17 cm, Signiert [Digitalisat des Auktionskatalogs bei der UB Heidelberg]

*Rudolf Bangel, Frankfurt am Main , 14.-15. März 1916, Lot 156: Wiesenbach im Gebirg, Aquarell, 13 x 18 cm, Signiert [UB Heidelberg]

*Rudolf Bangel, Frankfurt am Main , 27.-29. Juni 1922, Lot 268: Landschaft mit Häusern am Wasser, Aquarell, 21,5 x 25 cm, Signiert [UB Heidelberg]

* Kunsthaus Lempertz, Köln, 14.-16. Dezember 1922, Lot 195: Landschaft in Sommerstimmung, Aquarell, 20,5 x 24 cm [UB Heidelberg]

* Kunst- und Auktionshaus Franz A. Menna, Köln, 27.-28. Februar 1935, Lot 677: Landschaft mit Burg, Aquarell [UB Heidelberg]

* Rudolph Lepke, Berlin, 21. Juni 1935, Lot 54: Überschwemmte Wiese im Herbst, Aquarell, 18 x 17 cm signiert [UB Heidelberg]

*Kunst-Auktionshaus B. Pfeuffer, Nürnberg, 7. März 1939, Lot 178: Schwarzwaldmotiv, Aquarell, 25 x 35 cm, signiert [UB Heidelberg]

*Verkaufsanzeige in “Der Führer” vom 22. Dezember 1942: Ölgemälde m. Rahmen „Am Brunnen vor dem Tore“, 100 x 82 cm [Badische Landesbibliothek]

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Standesbuch-Auszug in Karlsruher Tagblatt vom 14. November 1876.
  2. landesarchiv-bw.de
  3. Standesbuch-Auszug in Karlsruher Tagblatt vom 30. Juni 1872.
  4. Stellenanzeige in Karlsruher Tagblatt vom 21. Dezember 1883.
  5. Bericht aus der Baukommission in Karlsruher Tagblatt vom 9. Februar 1885.
  6. Karlsruher Tagblatt vom 8. Oktober 1893.
  7. Adressbuch Karlsruhe 1897, S. 246.
  8. Karlsruher Zeitung vom 11. September 1896.
  9. Kunstgewerbeblatt NF 8, S. 116.
  10. Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe, Slg. 1995 D Nr. 678.
  11. Mitgliederverzeichnis von 1903.
  12. Meldung in Beilage zu Nr. 224 der Karlsruher Zeitung vom 16. August 1903
  13. Abb. in Kunst und Handwerk. Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk 55, 1905, S.100.
  14. Adressbuch Karlsruhe 1905, S. 119.
  15. Beschreibung der Arbeiten im Ausstellungskatalog von 1906, Abb. in Kunstgewerbeblatt NF 18, 1907, S. 142/143.
  16. Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe, Slg. 1995 D Nr. 590.
  17. Das Werk ist gelistet im Wöchentlichen Verzeichnis der erschienenen und vorbereiteten Neuigkeiten des deutschen Buchhandels, 69. Jg. 1910, und in der Bibliographie der Gazette des Beaux-Arts 4, Heft 3, 1910, S. 512.
  18. Karlsruher Tagblatt, 2. Dezember 1906
  19. beworben im Heidelberger Fremdenblatt 1908, S. 41.
  20. Staatsarchiv Basel-Stadt, PA 888a N6, Ausstellungsakten des Basler Kunstvereins.
  21. Karlsruher Tagblatt vom 2. September 1909.
  22. Adressbuch Karlsruhe 1914, S. 266.
  23. Auktion bei Henry’s in Mutterstadt am 28. Oktober 2017, Lot 105670.
  24. Meldung in Karlsruher Zeitung vom 30. Januar 1915.
  25. Badische Presse vom 19. März 1915.
  26. Traueranzeige in Badische Presse vom 10. November 1917.
  27. Badische Presse, Abendausgabe vom 24. September 1920.
  28. Adressbuch Karlsruhe 1923, S. 367.
  29. Adressbuch Karlsruhe 1925, S. 281.
  30. Todesanzeige in Badische Presse, Ausgabe vom 7. Februar 1934.
  31. Staatsarchiv Freiburg B 821/2 Nr. 23685.
  32. Traueranzeige in Badische Presse vom 16. Mai 1944.
  33. Standesbuch-Auszug in Der Volksfreund vom 23. Juli 1901.
  34. Im Sommer 2019 im Angebot bei Ebay, Kunsthändler Tobias Emke, Kunstzentrum Rote Wand, Fehrbellin, Artikelnr. 382452080578, Preis 350 Eur.
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